Großteil der Ernte ist eingefahren

Die letzten Ballen werden verladen: Anders als in den Jahren zuvor sind die Landwirte im Kreis mit der Heuernte 2022 zufrieden. Trotzdem steigen die Preise. Foto: Axel Häsler

Auf den Wiesen zwischen Sinntal und Maintal herrschte in den vergangenen Wochen bei idealem Wetter Hochbetrieb – die Landwirte, die teilweise bis weit nach Sonnenuntergang und sogar an Sonn- und Feiertagen mit Traktoren und großen Pressen alles daran gesetzt hatten, die Ernte trocken einzufahren, hatten Dauerstress.

Region – Während die Landwirte und Lohnunternehmer schwitzen, bieten sich den Betrachtern immer wieder interessante Formationen mit den imposanten Rundballen auf den Feldern.

„Es ist insgesamt ein recht guter Ertrag“, bilanziert Mark Trageser, Vorsitzender des Kreisbauernverbands und Kreislandwirt, der im Linsengerichter Ortsteil Waldrode einen Milchviehbetrieb leitet. Dennoch gebe es Unterschiede zwischen mageren Spessart-Wiesen und dem Gelände im Kinzigtal.

Anders als in den Jahren zuvor, als bereits im Frühjahr Trockenheit geherrscht hatte, müssten er und seine Kollegen, die Kühe oder Pferde halten, nicht mehr um die Futtervorräte für den Winter bangen.

„Beim Thema Futtervorrat gibt es eine leichte Entspannung“, sagt Trageser zum „ersten Schnitt“, dem möglicherweise noch eine zweite Mahd im September folgen könnte. „Stand jetzt schauen wir entspannt in Richtung Winter, denn auch der Futtermais ist in der Menge gut vorangekommen. Im Gegensatz zum Grünland macht dem Mais die Trockenheit nicht viel aus.“

Die Heuernte ist im Main-Kinzig-Kreis eine der wichtigesten. Denn von rund 47 000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche nehmen die Mähwiesen mit etwas mehr als 23 000 Hektar den Löwenanteil ein.

In guten Jahren sind es also fast eine Viertelmillion Rundballen, die im Kreisgebiet produziert werden – davon aber nur 100 000 Heuballen. „Ein größerer Teil ist Silage, die unabhängig vom Wetter geerntet werden kann.“

Doch es gibt insgesamt nur noch 1300 Familien zwischen Bischofsheim und Züntersbach, die auf beiden Seiten der Kinzig Landwirtschaft betreiben. „Der größte Teil davon sind Nebenerwerbslandwirte. Nur 350 Familien sind hauptberuflich tätig“, sagt Trageser, der immer auch Lobbyarbeit betreibt, um die Bevölkerung über seinen Berufsstand zu informieren.

„Jeder findet den Anblick schön, wenn die Rundballen auf den Feldern liegen. Aber nur wenige wissen, dass Grünland nicht nur für die Rinderhaltung existenziell ist“, erklärt der Kreislandwirt: „Grünland hat neben der Futterversorgung einen sehr hohen Stellenwert bei der Reduktion von Kohlendioxid in der Atmosphäre.“ Und schließlich werde Grünland dann in Milch sowie Joghurt oder Quark umgewandelt.

Hinzu komme, dass Mist als selbst produzierter Dünger verwendet werden kann. „Wir müssen also keinen Dünger hinzukaufen.“ Und auch die Biogasproduktion könnte gerade mit Blick auf die weltweite Situation stärker ins Blickfeld geraten.

Zudem ist Heu aus dem Main-Kinzig-Kreis auch ein Handelsprodukt. „Wenn die Ernte gut ist, werden sehr viele Heuballen auch in die Niederlande exportiert.“ Dort gibt es viele Landwirte und Viehhalter, aber nur wenige Flächen.

Die aktuelle Situation durch den Ukrainekrieg macht sich aber auch in der heimischen Landwirtschaft deutlich bemerkbar. In vergangenen Jahren suchten heimische Höfe oft händeringend nach Heuballen. Die Preise explodierten vor allem beim Zukauf in den Wintermonaten und erreichten oft sogar schwindelerregende Höhen von über 80 Euro pro Stück.

Angesichts der üppigen Mahd in diesem Juni müssten nun die Futtermittelpreise nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage eigentlich sinken. „Das werden sie aber sicherlich nicht, denn alle Maschinen in der Landwirtschaft werden mit Diesel betrieben. Und die Preise an den Tankstellen sind extrem gestiegen.“

„Aufgrund der aktuellen Dieselpreise werden nun auch die Heuballenpreise steigen“, so Trageser, der veranschaulicht, wie wertvoll das Grünland im Kreis ist: „Es kommt natürlich immer auf die Größe der Ballen und die Qualität an. Außerdem gibt es Unterschiede zwischen Heu, das selbst abgeholt wird und dem, das direkt auf den Hof geliefert wird“, schränkt er ein. Aber 100 Kilogramm Heu habe einen Wert zwischen 15 und 30 Euro. „Ein Heuballen kann zwischen 40 und 80 Euro kosten“, rechnet der Vorsitzende des Kreisbauernverbands vor.

VON THORSTEN BECKER

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