Der Traum vom eigenen Bier ist Realität geworden

Ein Traum mit Schaum: Michael Graf schenkt im Biergarten am Wächtersbacher Schloss seine Marke „Kinzz“ aus. Foto: Andrea Euler

Der pfiffige Unternehmer Michael Graf hat neue Ideen und Visionen rund ums „Kinzz“

Main-Kinzig-Kreis – „Kleinen Moment mal bitte.“ Michael Graf hält es nicht auf den Bierbänken, die seit ein paar Wochen vor dem Wächtersbacher Schloss aufgebaut und somit ein Teil des dortigen Biergartens sind. Um den neu eingetroffenen Gästen an diesem sonnigen Tag einen schattigen Platz zu sichern, verschiebt der Chef einen großen Sonnenschirm, ruft eine Mitarbeiterin herbei, die flugs die Bestellungen aufnimmt.

Erst dann nimmt er wieder vor seinem Bierglas Platz, trinkt einen weiteren Schluck vom „Kinzz“ und lässt die Geschichte „seines Bieres“ Revue passieren und blickt in die Zukunft.

Der Geschäftsmann ist bekannt als Geschäftsführer des Kreisverbands Main-Kinzig des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, als Vorstandsmitglied der Wirtschaftsinitiative Mittelstand Main-Kinzig und als Stadtverordnetenvorsteher in Steinau. Seit dem vergangenen Jahr realisiert er seinen Traum von einem eigenen, heimischen Bier (wir berichteten).

„Es ist ein naturtrübes, untergäriges Vollbier, eher malzig, leicht süßlich. Es hat 5,4 Prozent Alkoholgehalt, die nach oben streuen. Und ich habe das Glück, dass das Bier von den Gästen akzeptiert wird.“

Wobei „akzeptiert“ eine Untertreibung ist, denn der häufigste Satz, den Graf seit Monaten zu hören bekommt, ist: „Eigentlich bin ich kein Biertrinker – aber das Bier hier…“

Glück habe er gehabt, sagt Graf, dass die Wächtersbacher Messe stattgefunden habe, in deren Rahmen das „Kinzz“ seinen öffentlichen Einstand geben konnte. „Das war ein Riesenerfolg. Wir waren von der Resonanz überrascht. Seitdem war ich ein Getriebener“, berichtet Graf. Verkaufsstätten wurden im lokalen Raum gesucht und gefunden. „Ich baue jetzt eine Verkaufsstelle nach der anderen auf. Wir suchen Läden von Sinntal bis Hanau, die Regionalprodukte anbieten. Da passen wir hin.“

Als durchaus regionales Produkt soll das „Kinzz“ den Bierkennern und -genießern präsentiert werden und darf nicht zwischen den Kisten großer Anbieter versteckt werden.

Bei ausgewählten gastronomischen Betrieben soll es angeboten werden, zudem auf Messen, Märkten und Festen. Und eben im eigenen Biergarten vor dem Schloss, wobei Graf seit Mitte Juli die Lücke füllt, bis ein neuer Pächter vor Ort beginnt. „Ich strebe natürlich an, dass das Kinzz auch hier verkauft wird.“ Aktuell genieße er „die volle Unterstützung der Stadt“, freut sich Graf, der zudem das Glück lobt, das er mit seinen Mitarbeitern habe.

Die Idee für den Biergarten am Schloss geht auch zurück auf Gespräche auf der Messe, überhaupt seien dort jeden Tag andere Delegationen an den Stand gekommen, Politiker, Vertreter der Partnerstädte, Vereine. Gelegenheit für Graf, um „Bierpaten“ zu werben. „Die haben für mich eine Doppelfunktion“, erläutert er: Zum einen unterstützen sie die Brauerei mit einem Darlehen von jeweils zwischen 1000 und 5000 Euro bei fünf Jahren Laufzeit. Zum anderen sind sie Ratgeber, Kritiker und werben im Umfeld für die Marke. Inzwischen sind zehn Paten zusammengekommen. Investiert werden soll nun in einen Ausschankwagen, eine Kühlkammer, eine mobile Bierzapfanlage. In der Gründungsphase wird eine bereits vorhandene Braustätte in Bad Orb genutzt.

Seine Zielgruppe hat der Unternehmer klar definiert: „Das Kinzz wird gebraut für die Menschen, die das Regionale bevorzugen, gekoppelt mit einer hohen Qualität. Also: Für Genießer und Regionalliebhaber.“ Die Kernkompetenz sei und bleibe das Bier, alle anderen innovativen Ideen seien Beiwerk. Aktuell läuft die Suche nach einem Indoor-Biergarten für den Winter. Mit der geplanten mobilen Kneipe will Graf durch den Kreis touren.

Für die Zukunft erträumt sich Graf „die Umsetzung meiner Vision von einer Bierwelt“, eine Schaubrauerei, gerne in Wächtersbach im Bereich der ehemaligen fürstlichen Brauerei. „Kleine, besondere Geschichten“ sollen da entstehen, etwa ein Hanfbier oder ein Kaffeebier. „Der Brauvorgang an sich soll dort erlebbar werden“, sagt der „Kinzz“-Gründer und Hauptgesellschafter. Es gehe nicht darum, dort die Mengen zu brauen. Eher kann sich Graf vorstellen, die Brauerei als Eventräumlichkeit für Feste aller Art zu vermieten. Alles mit dem einen Ziel: „Ich möchte, dass das ‘Kinzz’ die Marke der Region wird.“

VON ANDREA EULER

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