Wohnungsbau: Kreis will sich einbringen

Wohnraum im Kreisgebiet ist knapp. Vor allem fehlt es zwischen Maintal und Sinntal an bezahlbaren Wohnungen. Der Main-Kinzig-Kreis möchte deshalb selbst als Bauträger in Erscheinung treten und prüft jetzt die Gründung einer kreiseigenen Wohnungsbaugesellschaft. Das Thema wurde auch schon im Kreistag behandelt.

Region – Bei der Schlüsselübergabe für ein gefördertes Wohnbauprojekt in Bruchköbel hat Landrat Thorsten Stolz (SPD) jetzt noch einmal die Notwendigkeit eines solchen Schritts unterstrichen. Ohne dass sich die Öffentliche Hand mit einbringe, könne der dringend benötigte bezahlbare Wohnraum nicht geschaffen werden, sagte Stolz. Dies gelte umso mehr vor den generell steigenden Baukosten.

Besonders Kommunen, in denen es keine Baugenossenschaften gebe, würden von solch einem Modell profitieren. Viele der betreffenden Gemeinden und Städte hätten auch schon ihr Interesse bekundet. Die Kommunen könnten als Gesellschafter auftreten oder Bauland zur Verfügung stellen. Der Kreis werde als Bauträger fungieren und die Wohnungen auch im Bestand halten, skizzierte Stolz das Modell. Bereits im kommenden Jahr könnte eine solche Wohnungsbaugesellschaft nach Einschätzung des Landrats an den Start gehen. Es gelte derzeit noch, rechtliche und auch wirtschaftliche Fragen zu klären.

Voraussetzung für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist vor allem ausreichend Bauland, über das die meisten Kommunen nicht mehr verfügen. Doch da sieht der Landrat durchaus noch Möglichkeiten: In vielen Gemeinden habe man noch gar nicht erfasst, wie viel Bauland sich noch in kommunalem Besitz befinde. Vielfach stünden Gebäude auf Grundstücken, deren Größe sie gar nicht benötigten. Auch gebe es überdimensionierte Spielplätze, auf denen durch eine Umstrukturierung Bauland frei werden könne. Das jetzt fertiggestellte Projekt der Baugenossenschaft Bruchköbel sei ein gutes Beispiel dafür, wie man städtischen Grund besser und effizient genutzt habe. Früher stand auf dem Gelände an der Hauptstraße 113 a eine einzelne dreigeschossige Villa. Jetzt sind auf dem etwa 800 Quadratmeter großen Areal zwölf Wohnungen entstanden. Künftig sollten sich die Kommunen nach Ansicht von Stolz bei der Ausweisung von neuem Bauland für kommunale Projekte zurückhalten und nicht sämtlichen Grund an Investoren verkaufen. Bei Grundstückspreisen von 300 bis 400 Euro pro Quadratmeter sei bezahlbarerer Wohnraum nicht umsetzbar.

Auch ist die Zeit der Ein-Familien-Häuser auf der grünen Wiese nach Ansicht des Landrats bald vorbei. Derzeit werde diese Wohnform zwar noch nachgefragt. Künftig werde der Bedarf nach mehrgeschossigen und altersgerechten Gebäuden steigen. Dies sei auch das Ergebnis einer Studie, die der Landkreis in Auftrag gegeben habe. Die Folgen des demografischen Wandels sollten Kommunen bei ihrer Stadtplanung stärker berücksichtigen, fordert Stolz. „Ideal ist ein Mix, in dem es alles gibt.“ Ältere Menschen, denen die Bewirtschaftung ihres Haus und Grund zu viel werde, bräuchten Alternativen. Deren frei werdende Immobilien könnten von jüngeren Generationen genutzt werden.

VON HOLGER WEBER

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