Landrat schaltet sich ein

Biebergemünd – Im Fall der geplanten Vollsperrung der Bundesstraße 276, die sich durch die Ankündigung der landeseigenen Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil immer mehr zu einer Provinzposse entwickelt, hat sich Landrat Thorsten Stolz persönlich an Verkehrsminister Tarek Al-Wazir gewandt.

„Ich kann den Unmut der Biebergemünder gut verstehen, denn durch die Vollsperrung müssen während der Bauzeit lange Umwege gefahren werden. Die Situation in der Spessartgemeinde ist eine besondere, weil es hier keine vertretbaren Streckenalternativen gibt“, begründet Stolz den Vorstoß.

„Mir geht es dabei ausdrücklich nicht darum, die Arbeit von Hessen Mobil abzuwatschen, sondern vielmehr um die eindringliche Bitte, zu überlegen, ob vielleicht noch etwas geht und die bisherigen Planungen angepasst werden können.“ An der B 276 zwischen Roßbach und Bieber sollen Deckenerneuerungsarbeiten stattfinden, die auf einer Länge von etwa 1,5 Kilometern laut Hessen Mobil eine Vollsperrung notwendig mache (wir berichteten).

Der Slapstick: Die „Umleitung“ über Lohr am Main (Bayern) beträgt rund 40 Kilometer. Eine ähnliche Posse hatte sich Hessen Mobil im vergangenen Jahr in Sinntal erlaubt, als innerorts 200 Meter Landesstraße saniert wurden. Ganz Hessen lachte darüber, als selbst die „Hessenschau“ berichtet hatte.

Die Gemeinde sowie eine Bürgerinitiative haben nun eine halbseitige Straßensperrung vorgeschlagen, was Hessen Mobil mit dem Hinweis auf angebliche Sicherheitsvorschriften abgelehnt hatte. „Gestützt wird die Forderung nach einer halbseitigen Straßensperrung durch eine ähnliche Straßenbaumaßnahme auf der gleichen Strecke vor einigen Jahren, die damals über ein Ampelsystem realisiert wurde“, erinnert Stolz. Es gehe beim Biebergemünder Vorschlag um den Nahverkehr, den man über Ampelsysteme und Geschwindigkeitsbegrenzungen ungefährlich an der Baustelle vorbeileiten könne.

Nicht einmal der schnelle Besuch bei Freunden oder Verwandten im Nachbarort, noch dazu in der Ferienzeit, seien möglich, sollte die Vollsperrung kommen. Die Verärgerung über die geplante Vollsperrung bringen die Biebergemünder Bürger über eine entsprechende Petition wie auch über eine geplante Großdemonstration am 15. Mai zum Ausdruck.

Stolz verbindet sein Schreiben an Tarek Al-Wazir mit der eindringlichen Bitte, mit den Verantwortlichen von Hessen Mobil noch einmal intensiv über „kreative Alternativen“ zu sprechen. „Wir sollten alles unternehmen, Biebergemünd diese Vollsperrung zu ersparen“, schreibt der Landrat.
 thb

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