Als der SV Bernbach gegen die Kickers spielte

Eine außergewöhnliche Kulisse für ein besonderes Spiel: Der SV Bernbach empfing vor 25 Jahren im Hanauer Herbert-Dröse-Stadion die Offenbacher Kickers vor 7000 Zuschauern. Foto: HA

Obwohl die ganz großen Fußball-Zeiten im Hanauer Herbert-Dröse-Stadion auch vor 25 Jahren schon längst Geschichte waren, kam es im Mai 1997 in Wilhelmsbad noch einmal zu einem echten Kracher, der rund 7000 Zuschauer ins Stadion lockte.

Freigericht/Hanau – An dieses außergewöhnliche Spiel gegen einen Traditionsverein erinnert sich einer der Protagonisten von damals noch heute sehr gut.

„Das war ein besonderes Spiel“, sagt Seref Zangir, der damals mit dem SV Bernbach auf die Offenbacher Kickers traf und selbst heute noch Details der Partie im Gedächtnis hat.

„Der OFC war Zweiter der Oberliga, wir waren Fünfter, hatten theoretisch aber noch die Chance, auf den Relegationsplatz zu kommen“ – für ausreichend sportliche Brisanz war also gesorgt, zumal Bernbach die Offenbacher in jener Saison aus dem Pokal gekegelt hatten.

Weil die Verantwortlichen schon im Vorfeld mit einem überwältigenden Zuschaueransturm rechneten und die Polizei bei mehreren Tausend Fans die Sicherheit auf dem Bernbacher Sportplatz nicht garantieren konnte, hatte sich der Verein nach einer alternativen Spielstätte umgeschaut. Zunächst war das Schönbusch-Stadion in Aschaffenburg im Gespräch gewesen, schließlich fiel die Wahl aber auf das Hanauer Herbert-Dröse-Stadion.

Angesichts des erwarteten Fußball-Schlagers bejubelte damals der HANAUER ANZEIGER diese Entscheidung, freute sich auf eine „Reminiszenz an die Vergangenheit“ und einen „Hauch von alten Fußball-Glanztagen“, als zu Zweitliga-Zeiten von Hanau 93 bis zu 11 000 Fans auf die Tribünen in Wilhelmsbad strömten. Der Alltag war Ende der 90er Jahre nämlich eher trist: 50 bis 100 Zuschauer kamen im Schnitt zu den Spielen der 93er und des Hanauer SC 1960.

Im gehobenen Amateurbereich sah das anders aus, denn in Bernbach pilgerten regelmäßig 600 bis 700 Zuschauer zu den Spielen. „Damals wurde noch nicht so viel im Fernsehen übertragen, da war die Konkurrenz geringer“, erläutert Zangir den Zuschauerzuspruch.

Bernbach verfügte damals aber auch über jede Menge spielerische Qualität: „Wir waren ein Ausnahmeteam, das allerdings in einer sehr starken Liga mit unter anderem dem OFC und dem FSV angetreten ist.“

Vor einer „tollen Kulisse“ von rund 7000 Zuschauern kam es dann zum Duell mit den Offenbacher Kickers, und Bernbach rief eine überragende Leistung ab. Torjäger Marco Roth brachte die Bernbacher kurz vor der Halbzeitpause mit einem nicht unumstrittenen Elfmeter in Führung, auch nach dem Seitenwechsel hatte der Tabellenfünfte Vorteile – bis Zangir Gelb-Rot sah. „Ich hab das nicht als Foul gesehen“, meint der Rot-Sünder im Rückblick mit einem Augenzwinkern, der daraufhin nicht mehr an der Partie teilnehmen konnte.

„Die Offenbacher Fans, die den größten Teil des Publikums ausgemacht haben, hat es natürlich gefreut. Aber so hat wegen mir zumindest das ganze Stadion gejubelt“, ergänzt Zangir und lacht.

Seine Mannschaft hatte es in Unterzahl deutlich schwerer, da Zangir nicht mehr für Entlastung über die rechte Seite sorgen konnte. Dennoch hielt der Vorsprung bis in die Schlussphase, ehe der eingewechselte Giuseppe Messinese – später auch bei Bernbach und mit Zangir befreundet – das späte 1:1 erzielte, was auch der Endstand war.

Zangir ärgerte sich über seinen Platzverweis maßlos, auch wenn es von seinen Teamkollegen im Nachhinein keine Vorwürfe gab: „Wir waren eine eingeschworene, familiäre Truppe.“ Insgesamt rief Bernbach aber eine starke Leistung ab und der HA-Reporter, der unvergessene Sportjournalist Hans-Dieter Puth, freute sich darüber, dass „nach Jahren wieder einmal echte Fußballstimmung“ im Herbert-Dröse-Stadion aufkam. Das Spitzenspiel gegen den OFC in Hanau auszutragen, lohnte sich auch für den Bernbacher Kassenwart, denn angesichts von 7000 zahlenden Zuschauern spülte die Partie einen mittleren fünfstelligen Betrag in die Kassen des Oberligisten.

Zangir erinnert sich trotz des Platzverweises gerne an die Partie und hat das Spiel sogar noch auf Video. Mit dem Herbert-Dröse-Stadion gab es für ihn auch später immer wieder mal Berührungspunkte, ob als Spielertrainer bei 1960 oder als Sportlicher Leiter bei Hanau 93, so voll wie gegen den OFC wurde das Stadion aber nicht mehr.

„Das ist schade, denn die Stadt hätte es verdient, wenn dort Spiele mit 1000 oder vielleicht 2000 Zuschauern stattfinden würden“, meint Zangir, der deshalb auch allen Hanauer Vereinen die Daumen drückt: „Es wäre super, wenn die 93er in der Hessenliga bleiben und 1960 mal den Aufstieg schafft.“  rob

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